TU WAS DU WILLST

TU WAS DU WILLST

Der Podcast mit Blick hintern Tellerrand

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:03: Willkommen zu Tu Was Du Willst, dem Podcast mit Blick über den Tellerrand.

00:00:20: Ich lade euch heute ganz herzlich ein zu einer Tasse Zeit in der Unendlichkeit.

00:00:24: Was ich damit meine?

00:00:26: Nun, ich würde gerne ein bisschen darüber nachdenken, über dieses allgemeine Gefühl von Unsicherheit, das gerade überall vorherrscht.

00:00:34: Ist das wirklich so?

00:00:36: Wir alle, sagen wir, die meisten von uns hier in Deutschland, haben alles und noch viel mehr davon.

00:00:42: Ich persönlich habe in jedem Fall mehr als meine Großeltern in den beiden Jahrzehnten bis neunzehnthundertfünfzig jemals sich hätten träumen lassen.

00:00:51: Es ist, wenn wir ehrlich sind, so viel, dass es längst an einen viel zu viel grenzt.

00:00:56: Und trotzdem reicht es nicht.

00:00:58: Trotzdem sind viele von uns traurig, wütend, unzufrieden, ja leer sogar.

00:01:04: Schlimmer noch.

00:01:05: voller Angst.

00:01:06: Was wir fühlen, ist echt.

00:01:08: Der Rechenweg ist es nicht.

00:01:10: Tatsächlich wagen wir es, uns derart zu artikulieren, dass es immer schlechter wird und schlimmer, und sprechen von guten alten Zeiten und rufen nach mehr Sicherheit, die vor uns da waren, würden sich wahrscheinlich verwundert, die Augen und Ohren reiben.

00:01:23: Und doch ist es so, inmitten von Überfluss quälen wir uns, nicht selten auch gegenseitig.

00:01:28: Es gibt zu viel Wut und Neid und die Wahrnehmung zu kurz zu kommen.

00:01:33: Und zugleich üben wir uns in absurder Selbstdarstellung.

00:01:37: Präsentieren, was wir haben auf die eine oder andere Weise, den Job, das Auto, die Bude, den Sexapil, den Status, das Reisen, die Erleuchtung, den Nippes.

00:01:47: Machen uns vergleichbar und angreifbar, als ob man Leben nebeneinander stellen könnte, als ob was wesentlich ist, nicht im Verborgenen bliebe.

00:01:56: Das hält uns beschäftigt und am Laufen in einem System, das am zu viel krankt.

00:02:01: Das, was uns fehlt, ist Zeit, obwohl auch sie da ist, ohne Anfang und Ende sogar.

00:02:07: Denn was wir nicht haben, sind die richtigen Verhältnisse.

00:02:11: Wir haben keine echten Beziehungen zu all den Dingen und Möglichkeiten, die wir haben.

00:02:16: Gestapelte Bücher, die wir irgendwann lesen wollen, wenn wir Zeit dafür finden.

00:02:21: Fotos und Clouts, mit deren Hilfe wir uns später vielleicht erinnern, wie der Moment hätte sein können, wenn wir nicht mit Fotografieren beschäftigt gewesen wären.

00:02:30: Zehntausendmal, Moment, ich muss noch kurz, ehe unsere Kinder ihren Schuhen längst entwachsen sind und bereits versuchen, in unseren zu laufen.

00:02:39: Obwohl die Keimen so richtig passen.

00:02:41: Wir fabulieren wieder von mehr Leistung und scheitern an einfachsten Umgangsformen, rümpfen die Nase über Jobs, die keiner tun will und wundern uns, dass nichts mehr läuft.

00:02:52: Es mangelt also irgendwie.

00:02:53: Aber eben nicht an Geld, Sicherheit oder Status, es mangelt am Wesentlichen.

00:02:58: An Bewusstsein, an Dankbarkeit, an Zeit, die da ist, die sich aber keiner nehmen traut, um bloß nicht aufzufallen.

00:03:06: Und wer ist traut sich einer?

00:03:08: Dem reden wir ins Gewissen.

00:03:09: Was du nicht tust, muss für einen anderer tun.

00:03:12: Fachkräftemangel, ergreife jetzt deine Chance, sonst ist es zu spät, reicht dir dein Geld überhaupt auch noch für später?

00:03:20: Sicher?

00:03:21: Wer nicht beschäftigt ist und wem es gar nicht reicht, der ist irgendwie verdächtig.

00:03:25: Unangepasst vielleicht.

00:03:26: Nicht klug genug, arbeitslos, faul, krank, depressiv, vermutlich dysfunktional.

00:03:32: bestimmt für das System.

00:03:34: Das System das längst ausgedient hat, aber wie schalten wir es ab?

00:03:38: Ein paar wenigen nützt es ja wohl doch noch.

00:03:42: Klar könnten wir alles auch auf mehr Schultern verteilen, damit ihr nicht so rennt im Hamsterrad, damit Zeit bleibt für die Kinder, die Kranken, die Alten.

00:03:52: Die traumatisierten, die die einfach nur mal Luft holen wollen oder müssen.

00:03:56: Aber wo bleibt da der Gewinn, das Meer, der Wachstum?

00:04:00: Was machen wir denn mit euch, wenn ihr Zeit habt nachzudenken?

00:04:04: Wenn ihr die Lehre in eurem Innern nicht mehr mit mehr von allem nur in schlechterer Qualität füllen müsst, damit übermorgen wieder ein neuer Nied entsteht.

00:04:13: Ein Loch, das wächst aus dem Frust, das etwas kaputt geht, ehemann es noch richtig benutzt hat, dass der Moment vorbei ist, ehemann ihn ansatzweise fühlen konnte.

00:04:21: Und das stopfen wir dann.

00:04:22: Einfach wieder mit Dingen, die wir nicht brauchen und für die wir eigentlich keine Zeit haben.

00:04:28: Weil wir sie mit Geld bezahlen, dass wir wiederum mit unserer Zeit verdienen, die uns dann aber fehlt, um zu nutzen oder auch nur zu erkennen, was wir da alles angehäuft haben.

00:04:37: Das geht dann sofort und fort, bis wir eine Diagnose erhalten oder jemanden, den wir lieben.

00:04:43: Oder es ist einfach unerwartet gänzlich.

00:04:46: Schlussakord.

00:04:47: Letzte Akt.

00:04:48: Fini.

00:04:49: Und das Resümee, das wir ziehen, ist aber nicht, dass wir stehen bleiben.

00:04:53: Nein, wir laufen lieber noch ein bisschen schneller dem Teufel hinterher.

00:04:56: Und weil wir zwar erkannt haben, dass wir zu wenig Zeit haben, nur dass wir sie verpassen, wenn wir nicht stehen bleiben und uns endlich nehmen, was uns zusteht, das erkennen wir nicht.

00:05:07: Oder doch?

00:05:08: Ich weiß.

00:05:09: Alles von dem, was ich hier sage, habt ihr schon mal so oder besser gelesen, gehört oder vielleicht sogar selbst gedacht.

00:05:16: Denn es gibt auch schon längst zu viele Worte.

00:05:19: Mittlerweile müssen wir sie weder mehr selber denken, noch schreiben, das tut schon KI für uns.

00:05:25: Und lesen braucht ihr sie auch nur, wenn ihr noch Zeit dafür findet oder sie euch nehmt.

00:05:30: Im Zweifel ein Like tut's auch für den Algorithmus, ehe wir dann wieder zur Tagesordnung übergehen.

00:05:37: Aber ich hab das gerade so gefühlt und es musste raus, weil das Jahr gerade um ist und der Kreislauf von Neuen beginnt.

00:05:45: Vor allem wollte ich mich selber wachrütteln, ehe ich wieder einschlafe.

00:05:50: Aber ihr seid natürlich eingeladen.

00:05:52: Auf eine gemeinsame Tasse Zeit in der Unendlichkeit.

00:05:55: Für dieses neue Jahr wünsche ich euch Lagerfeuer, an denen wir sitzen und hemmungslos Zeit verplemmern können.

00:06:03: Eine saftige Erdbeere, deren Saft euch übers Gesicht und die Klamotten läuft und es fühlt sich einfach nur großartig an.

00:06:11: Einen Sternenhimmel zum Träumen.

00:06:14: Um Armungen, die sich anfühlen, als könnte man die Zeit anhalten.

00:06:17: Raum für Dinge, die euch inspirieren, die eure Augen und Seelen zum Leuchten bringen.

00:06:22: Ich wünsche euch kleine Akte von Rebellion, um zugunsten von Gegenwart aus dem Rad der Zeit auszustregen.

00:06:29: Dinge einfach mal selber machen, es muss gar nicht perfekt sein und auch nicht schnell gehen.

00:06:36: Lieber das Gefühl von erfüllender Wirksamkeit, Lachen aus tiefsten Herzen, Dankbarkeit und Genügsamkeit.

00:06:43: Die hellsichtig macht für die kleinen Dinge, die so viel größer sind, als die großen Denken und uns Glauben machen.

00:06:50: Alles Liebe, für ein entschleunigtes und gesundes neues Jahr.

00:06:55: Eure Anna.